Archiv für Januar 2009
Deutschland – Österreich: 1 – 1
Nach 1,5Jahren Österreich möchte ich mal eine kleine Bilanz ziehen. Österreich frohlockt mit Natur (Berge, Berge, Berge) und damit auch besserer Luft als in Köln oder Dresden. Die Österreicher an sich sind nicht zuletzt durch ihre Sprache und antiquierten Begriffe wie:
„Hauben“ für „Mütze“
„Sackl“ für „Tüte“
„Topfengulatschen“ für „Quarktasche“
„Ordinationszeiten“ für „Sprechzeiten“
„heuer“ für „dieses Jahr“
„Schlagobers“ für „Schlagsahne“
u.v.m.
etwas eigen. Die Erzkonservativität ist in Salzburg zum Quadrat zu spüren, aber das macht ja nichts. Dennoch ein Minuspunkt bekommt Salzburg für seine von sich eingenommene Kleinstädtigkeit, die sie allerdings mit den Bergen Gaisberg, Untersberg, Kapuzinerberg und Mönchsberg wieder wett macht. Ich habe einen direkten Ausblick auf den Untersberg (siehe Bild) von meinem Fenster aus und genieße es jeden Tag aufs Neue.
Insgesamt tickt in Ösilanden eine andere Uhr. Auch was die Ladenöffnungszeiten betrifft und so muss man sich anders als in Deutschland, wo man Lebensmittel noch bis 22 Uhr am Wochenende kaufen kann, Samstag bis 17 Uhr! in der Stadt sputen. Das war eine sehr große Umstellung für mich, aber mittlerweile denke ich einfach, dass es für das Personal so am angenehmsten ist und das macht Österreich auch irgendwie humaner. Ich möchte ja auch nicht jeden Tag bis 22 Uhr an ner Kasse stehen.
Wo wir gleich bei den Lebensmitteln wären. Die sind nämlich in Österreich bis zu 150% teurer als in Deutschland. Zum Vergleich nehme ich die aktuellen Daten aus der heutigen medianet:
| Deutschland | Österreich | Differenz in % | |
| alpa creme fraiche (200g) | € 0,39 | € 0,99 | 154 |
| sea luxe matjesfilet (300g) | € 0,99 | € 1,59 | 61 |
| brie roi de treffle (200g) | € 1,15 | € 1,39 | 21 |
| forellenfilet ocean sea (125g) | € 1,39 | € 1,69 | 22 |
| las cuarenta (500g) | € 1,99 | € 2,99 | 50 |
| zeus olivenöl (0,75l) | € 3,29 | € 3,79 | 15 |
| dosen-ananas, scheiben (580ml) | € 0,69 | € 0,82 | 19 |
| orange-drink, belsina (10mal 0,2l) | € 1,29 | € 1,99 | 54 |
Puh ja und so kommt es, dass ich monatlich bis zu 300 EUR allein für den Einkauf ausgebe, Essen gehen ist da noch nicht mit eingerechnet. Einziger Hoffnungsschimmer ist, dass die Lebensmittel frischer und gesünder sein müssten, weil sie teilweise direkt vom Bauern kommen.
Hätte ich ein Auto würde ich von günstigen Spritpreisen profitieren. I.d.R. ist Benzin 20Cent günstiger als in Deutschland.
Aber die eigentlichen Gründe, warum ich immer noch Österreich lebe, trotz des schweren Starts sind meine Ladies (siehe Bild, v.l. Magdi, Christina, Vroni, Chrissi und ich). Man trifft nicht oft Menschen mit denen man sich so gut versteht, aber in dieser Hinsicht habe ich wirklich Glück gehabt.

Außerdem genieße ich die Arbeit an der Uni als wissenschaftliche Studienassistentin am Fachbereich ILLB und bei der Agentur elements, wo ich für die Bereich PR/ Marketing zuständig bin. Dass verpflichtend das 13. und 14. Gehalt gezahlt wird, kommt mir außerdem zu Gute. Was webzweinull und so betrifft, sieht es hierzulande jedoch schlecht aus (wien ausgenommen) und da habe ich manchmal Bedenken, dass der Zug an mir vorbeifährt. Glücklicherweise spielt ja der (reale) Standort im web keine so große Rolle.
Gleichstand zwischen Deutschland und Österreich. Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten oder eben 1,5 Jahre.
Florian Horwath with Nina Persson-Baby you got me wrong
Florian Horwarth mit Nina Persson (The Cardigans), RAMONTISCH
Au Revoir Simone
Guten Morgen und Gute Nacht mit Au Revoir Simone’s “ Sad Song“
Paulo Coelho’s Books online
Für alle Fans von Paulo Coelho’s Büchern (Mein Lieblingsbuch: Veronika beschließt zu sterben) empfehle ich Paulo’s Blog, unter dem er auch Bücher und Texte kostenlos zur Verfügung stellt.
mein internetfreier selbsttest
Um für mich selbst herauszufinden, ob das Internet für mich schädlich ist oder 12h im Durchschnitt pro Tag ungesund sind, werde ich kommende Woche ohne Internet leben. Mein Studium schickt mich während meines Kommunikationsseminars auf eine Hütte in Tirol, fernab internet und handyempfang -also auch fernab von gut und böse. Ich nehm das einfach mal als Herausforderung und werde ja sehen was passiert, nachher das Reporting!
Blick hinter die Kulissen – „Unser täglich Brot“
„Unser täglich Brot“ ist ähnlich wie „We feed the World“ von Erwin Wagenhofer, ein Film über industrieelle Nahrungsmittelproduktion, Agrar- und Landwirtschaft, Lebensmittelgroßkonzerne und das ohne Kommenar, dafür aber schonungslos.
Bereits der Trailer
Unser täglich Brot (Österreich / Deutschland 2003-2005) von Nikolaus Geyrhalter
gibt einen Vorgeschmack darauf, was uns in dem Film erwartet – eben ein Blick hinter die Kulissen, den wir nicht mehr gewöhnt sind. Der Film ist komplett ohne Erzähler oder Kommentar, eigentlich ist es nur eine Abfolge von Bildern. Wie weit weg diese Welt von uns ist, belegen auch die eingeblendeten Fließbandmitarbeiter, bei denen wir fast dazu neigen, sie zu bemitleiden.
Ein Freund von mir meinte neulich in unserer philosophischen Runde, dass es doch komisch sei, dass alle Welt aufschreit wenn irgendwo ein Tornado Häuser dem Erdboden gleich macht*, aber niemand etwas sagt, wenn jemand einen Ameisenhaufen zerstört. Naiver Vergleich – aber genau das ist es!
Von der Website unsertaeglichbrot.at
„Ein Dokumentarfilm über die globalisierte, automatisierte, mechanisierte Produktion unserer Nahrungsmittel, ein Film ohne Kommentar, ohne Expertenmeinung, ohne empörte Betroffenheit, ohne raunendes Entsetzen — geht das? Ja, das geht — wenn man wie Nikolaus Geyrhalter in seinem Werk „Unser täglich Brot“ auf die elementare Essenz des Filmes setzt: die Bilder.
*Dieses Unglück ist schrecklich, ich möchte es nicht abwerten, sondern nur zur Kontrastierung verwenden.
Psychologie des Vertrauens
Was ist Vertrauen?
Vertrauen hat unterschiedliche Bedeutungen und drückt ganz allgemein die Qualität einer persönlichen Beziehung aus. Man kann Vertrauen bzw. Mißtrauen (aus Angst vor möglichen, fiktiven, negativen Konsequenzen) in eine Person haben oder auch in eine Sache haben. Beispielsweise kann ich meinem Freund vertrauen oder auch dem Kapitalismus misstrauen.
Für dieses Thesenblatt soll jedoch nur das Vertrauen in eine Person oder eine Personengruppe relevant sein.Vertrauen beinhaltet nach Petermann (1996, S.11) „immer einen Aspekt der Ungewißheit, ein Risiko und die Möglichkeit der Enttäuschung„.
Vertrauen ist …(Definitionen):
Hoffnung auf das Gute im Menschen
Schottlaender (1957, zitiert nach Petermann, 1996) betont „Vertrauen resultiert aus bisheriger Erfahrung und der Hoffnung auf das Gute im Menschen“. Er meint damit eine positive Einstellung einer Person gegenüber und den Glauben, dass diese Beziehung positiv für die vertrauende Person ausgeht, im Sinne von Geben und Nehmen (sog. Norm der Reziprozität).
Hoffnung auf Wiedergutmachung
Ebenso sieht es auch Jackson (1980, zitiert nach Petermann, 1996): „Vertrauen ist der Glaube, dass der andere für einen irgendwann das tut, was man für ihn getan hat.“ Nach Petermann (1996) wird damit das Wiedergutmachungsmotiv bzw. die Hoffnung auf Wiedergutmachung angesprochen.
Reduktion sozialer Komplexität
Welchen Vorteil Vertrauen für unser tägliches Handeln und Leben hat, beschreibt Luhmann (1973) in seinem Werk „Vertrauen. Ein Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität“:
Der vertrauensvoll handelnde Mensch:
- widmet sich der Situation vertrauensvoll
- macht sich deshalb nicht so viele Gedanken
- verhält sich so „als ob es in der Zukunft nur bestimmte Möglichkeiten gäbe“ (Luhmann, 1973, S.18)
Selbstvertrauen (→ Vertrauen in andere Personen)
Luhmann geht in seinem Werk weiter darauf ein, dass das Selbstvertrauen in die eigene Person auch entscheidend das Vertrauen in andere Personen beeinflusst „…wenn Ihnen eine Art Selbstsicherheit innewohnt, die sie befähigt, etwaigen Vertrauensenttäuschungen mit Fassung entgegenzusehen…“ (Luhmann, 1973, S.77)
Risiko (Risikofaktor Vertrauen)
Der Risikofaktor von vertrauensvollem Handeln beschreiben Johnson & Matross (1977, zitiert nach Petermann, 1996) mit Ihrer Definition „Vertrauen heißt über Themen sprechen die potenziell Bewertung und Zurückweisung hervorrufen“.
Urvertrauen
Erikson (1963, zitiert nach Petermann 1996) betont, dass ohne Vertrauen keine stabile Persönlichkeit (ICH – Identität) möglich ist. Das „URVERTRAUEN“ ist das Gefühl sich auf den anderen verlassen zu dürfen (Mutter-Kind-Beziehung) dessen Fundament bereits in der Kindheit geschaffen wird. Vertrauen wird demnach von positiven Erfahrungen getragen.
Die Gemeinsamkeiten der Definitionen fasst Schlenker et al. (1973, zitiert nach Petermann, 1996) folgendermaßen zusammen:
a) Aspekt der Ungewissheit
b) Verhandensein eines Risikos
c) mangelnde Beeinflussung des Schicksals (Kontrollverzicht)
d) Zeitperspektive (= auf die Zukunft ausgerichtet)
Abschließend ist noch zu sagen, dass Vertrauen nur dann vorhanden ist, wenn man auf etwas Positives hofft. Mit dem in der Alltagssprache geprägten Satz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ offenbaren sich letztlich misstrauische Menschen.
Entwicklung von Vertrauen
Tabelle 1:
Die 5 Stufen der Entwicklung von Vertrauen nach Selman et al. (1977) und Selman (1980, zitiert nach Petermann, 1996).
| Stufe (0): drei bis fünf Jahre | Die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit erfolgt aufgrund von wahrgenommenen physischen Fähigkeiten.Interviewbeispiel: Ein Vierjähriger traut seinem besten Freund: „Wenn ich dem mein Spielzeug gebe, dann macht der das nicht kaputt … Der ist nicht stark genug dazu.“ |
| Stufe (1): fünf bis elf Jahre | Die wahrgenommenen Absichten des Partners werden zur Grundlage der Vertrauensbildung herangezogen, wobei es schließ-lich darum geht, was der andere bereit ist, für einen selbst zu tun. Interviewbeispiel: Ein Fünfjähriger gibt an: „Man traut einem Freund, wenn er tut, was ich ihm sage.“ |
| Stufe (2): sieben bis vierzehn Jahre | Auf dieser Stufe wird der Aspekt der Gegenseitigkeit zum Merkmal von Vertrauen in einer Beziehung. Es wird ein fairer Austausch angestrebt.Interviewbeispiel: Ein Neunjähriger berichtet: „Vertrauen bedeutet, wenn Du was für ihn tust, dann wird er was für Dich tun.“ |
| Zusammenfassung Vertrauen im Kindesalter | Kleinkinder im Vorschulalter gründen ihr Vertrauensurteil fast ausschließlich auf beobachtbares Verhalten (von der Höhe des Versprechens beeinflusst) Kinder im Grundschulalter (Volksschulalter) orientieren sich an der Konsistenz zwischen dem Versprechen und Verhalten ihres Partners |
| Stufe (3): zwölf Jahre bis zum Erwachsenenalter | Diese Stufe ist gekennzeichnet vom Glauben an die Beständigkeit einer Freundschaft, in der die Partner gemeinsam durch „dick und dünn“ gehen. Interviewbeispiel: Ein 13jähriger beschreibt: „Wenn die anderen sich was von der Seele reden können, wenn sie mit Dir reden; die Dinge passieren in Deinem Leben und im Leben des anderen.“ |
| Stufe (4): Jugend- oder Erwachsenenalter | Hier bedeutet Vertrauen in einer Beziehung die Fähigkeit, aufgrund des Glaubens an die Stabilität der Beziehung für Veränderung und Wachstum offen zu sein. Interviewbeispiel: Ein Student antwortet: „Vertrauen bedeutet, dass man wachsen muss, um seinen Freund wachsen zu lassen. Je mehr man festhält, desto weniger hat man. Du musst Zutrauen zu Dir selbst besitzten, dann wirst Du auch Vertrauen in eine Beziehung haben.“ |
Vertrauen – Misstrauen
Tabelle 2:
Gegenüberstellung Vertrauensvolle Menschen – misstrauische Menschen
|
vertrauensvolle Menschen |
misstrauische Menschen
|
|
nicht im Sinne von naiv und blind, sondern anderes Menschenbild |
Vertrauen entsteht durch lang andauernden „Bewährungsprozess“ |
| es wird ein hoher positiver „Vertrauens-Kredit“ anderen gegenüber gezollt (wird er ausgenutzt geht Vertrauen zurück) |
Kooperationsangebote von wohlwollenden, vertrauenswürdigen werden zurückgewiesen
|
| wenig Konflikte, akzeptiert, gut angepasst | seine Mitmenschen werden kritisch im Auge behalten |
| sie lügen, betrügen, stehlen weniger | Vertrauensbrüche bewertet er als Bestätigung dessen, was er bereits vermutet hat |
| geben eher zweite Chance |
Fragestellung: Ist Vertrauen lernbar?
Nach behavioristischem Paradigma (Watson, 2000) würde das bedeuten man könne Vertrauen beliebig „brechen“, denn neues Vertrauen könne man dann gleichzeitig wieder erlernen (Reiz-Reaktions-Schema). In der Literatur diskutiert man Vertrauen (vgl. Petermann 1996; Schweer 1996) als:
- Persönlichkeitsvariable
- Situationsvariable
- Beziehungsvariable
Das Thema Vertrauen bzw. das Erwerben von Vertrauen ist wie bereits Tabelle 1 demonstriert hat ein sehr komplexer Prozess.
Nach Rotters (1981, zitiert nach Schweer, 1996) lässt sich Vertrauen als Persönlichkeitsvariable wie folgt beschreiben:
-
Persönlichkeitsvariable:
Vertrauen ist ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal, relativ da relativ stabile Annahmen bestehen, wie wir mit einander umgehen.
Vertrauen kann jedoch durch neue Erfahrungen verändert werden.→ generaliertes interpersonales Vertrauen
Generalisiert heißt hier, dass Erfahrungen aus ähnlichen Situationen zur Generalisierung von Erwartungen führen und damit widerum unser Verhalten in dieser Situation beeinflussen.
Interpersonal heißt zwischenmenschlich.
-
Situationsvariable:
Unterschiede zwischen Situationen → Vertrauen versteht sich hier als Funktion situativer Bedingungen.
Vertrauen kann in jeder Situation relativ unabhängig vom Charakter unterschiedlich ausgerichtet sein.Vertrauen in konkreten Interaktionssituationen wird als kooperatives Verhalten beschrieben. Vertrauen ist demnach eher von der speziellen Situation selbst beeinflusst als vom Charakter/ den (Vor-) Erfahrungen der Person. Die Möglichkeit zur Kommunikation untereinander beeinflusst Vertrauen, da damit auch die Möglichkeit zur Selbstoffenbarung bzw. die Chance für verständnisvollen Umgang mit der „Offenbarung“ gegeben ist.
→ Vertrauen als Grad individueller kooperativer Orientierung in einer Interaktionssituation (eher vertrauensvoll oder eher misstrauisch)
-
Beziehungsvariable:
betrifft verschiedene Interaktionspartner (z.B. Partner-Partnerin, Mutter-Kind, Therapeut-Patient)
Vertrauen entwickelt sich langfristig, über die Zeit hinweg und ist ein langwieriger Interaktionsprozess.→ Grad der Zuversicht den wir beim Nachdenken über eine Beziehung empfinden“ (Rempel & Holmes, 1986, zitiert nach Schweer, 1996)
- in Bezug auf partnerschaftliche Beziehungen (heterosexuelle Paare)
- Basis des Vertrauens: Vorhersagbarkeit, Verlässlichkeit, Glaube an den anderen→ Vertrauen durch individuelle Kosten-Nutzen-Bilanzierungen
- in Bezug auf nicht-partnerschaftliche Beziehungen
- Fragestellung: „Was bringt es mir, wenn ich mich offenbare?
- Der Gewinn/ Benefit ist umso größer, inwieweit die angestrebten Ziele/ Bedürfnisse der Interaktionspartner individuell befriedigt werden
- Beispiel: im therapeutischen Setting neigt man eher zur Offenbarung da das Ziel ist ein Problem zu lösen und die Offenbarung notwendig macht
Literatur
Luhmann, N. (1973). Vertrauen. Ein Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität (2. Aufl.). Stuttgart: Enke
Petermann, F. (1996). Psychologie des Vertrauens (3. Aufl.). Göttingen: Hogrefe
Schweer, M. (1996). Vertrauen in der pädagogischen Beziehung. Göttingen: Huber
Watson, J.B. (2000). Behaviorismus. Frankfurt a.M.: Klotz








