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Archiv für die Kategorie ‘psychologische theorien

Selbstbewertungsmodell der Leistungsmotivation

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Die Bewertung der eigenen Leistung/Leistungsmotivation

Das Thema Leistungsmotivation ist im schulischen, wie auch beruflichen Kontexten immer wieder ein Thema. Ich möchte anhand der Theorie von Heckhausen versuchen zu skizzieren, dass sich die Bewertung der eigenen Leistung zum einen aus der Ziel- und Anspruchsniveausetzung ergibt und andererseits sich in der Kausalattribution von Leistungen, d.h. schreibe ich den Erfolg einer Arbeit mir selbst oder anderen Umständen/Glück zu.

1) Ziel- bzw. Anspruchsniveausetzung

Bei der Ziel- bzw. Anspruchsniveausetzung gibt es individuell Unterschiede. Man unterscheidet in Erfolgszuversichtliche bzw. Erfolgsmotivierte, die mittelschwere Aufgaben bevorzugen und haben realistische Ziele (Was kann ich, was nachher auch tatsächlich dabei herauskommt?).
Misserfolgsängstliche weichen auf entweder sehr leichte oder sehr schwere Aufgaben aus.
Grafisch dargestellt sieht das dann so aus:

Erfolgszuversichtliche:

  • suchen Leistungssituationen auf
  • suchen Herausforderung
  • wählen mittelschwere Aufgaben
  • erwarten eher Erfolg
  • antizipieren den Stolz auf den Erfolg
  • haben positive Affektbilanz
  • leisten besser/gleich gut unter Druck

Misserfolgsängstliche:

  • meiden Leistungssituationen
  • wählen leichte oder zu schwerde Aufgaben (leichte Aufgaben schaffen sie, keine negative Konsequenzen; bei zu schweren Aufgaben können sie Misserfolg auf Aufgabenschwierigkeit schieben, mittelschwere Aufgaben machen ihnen Angst/Risiko, wegen negativen Konsequenzen bei Misserfolg, d.h. sie können nicht das was alle können)
  • sehen eher die Gefahr des Scheiterns
  • vermeiden Risiken
  • fürchten eher die Beschämung des Misserfolgs
  • bilanzieren Erfolge eher external
  • erbringen schlechtere Leistungen unter Druck

Yerkes und Dodson haben bereits 1908 experimentell nachgewiesen, dass die mittlere Aktivierung (nicht Unter- oder Überforderung) bei anspruchsvollen Aufgaben die beste Leistung bringt. Bei zu hoher Aktivierung durch z.B. zu schwere Aufgaben ist das Niveau nicht zu bewältigen, man verkrampft.

Dies ist sehr wichtig bei der Gestaltung von Arbeiten, Schulaufgaben. Oft sind Erfolgszuversichtliche und Misserfolgsängstliche zu gleichen Teilen in den Klassen besetzt. Wenn ich nur Aufgaben wähle, die einen mittleren Schwierigkeitsgrad besitzen, schaffe ich nur günstige Leistungsumgebungen für Erfolgszuversichtliche.

2) Kausalattribution

Kausalattributionen sind subjektiv wahrgenommene Ursachen eines Handlungsresultates, d.h. ich kann mir meinen Erfolg/Misserfolg aufgrund meiner Anstrengung (Tüchtigkeit) oder unzureichenden Anstrengung erklären. Attributierungen (Zuschreibungen) können internal (die Person betreffen) oder external (die Umwelt betreffend), stabil (gleichbleibend) oder variabel sein. Daraus ergibt sich folgende Grafik:attribution

Bernard Weiner hat dieses Modell noch um die Parameter kontrollierbar und unkontrollierbar ergänzt.

Generell gilt, dass external – variable Ursachenzuschreibungen sich negativ auf das Selbstbewusstsein eines Schüler/ einer Schülerin auswirkt. Dies erklärt auch, warum es Situationen in der Schule gibt, bei denen sich S/S trotz einer sehr guten Noten nicht freuen können. Sie glauben dann nicht, dass sie selbst etwas mit dem Ergebnis zu tun haben, sondern reines Glück gehabt haben. Deshalb ist es wichtig darauf zu achten, dass S/S spüren und wissen, dass sie etwas gut können.

Miteinander Reden: Schulz von Thun

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Direkt nach dem Educamp hieß es für mich letzten Montag auf nach Berndorf zum Uni-Seminar „Kommunikation und Präsentation“. Leider war das mobile Internet dort so schlecht und langsam, dass ich dem Web den Rücken kehren musste. Außerdem war das Seminar sehr kompakt. Die wichtigsten Inhalte waren die Erkenntnisse von Schulz von Thun auf Basis seiner drei Bände „Miteinander reden 1,2,3″

1. Die acht Kommunikations-Stile nach Schulz von Thun:

Kommunikationstypen nach Schulz von Thun

2. das Quadrat der Nachricht nach Schulz von Thun

(mit vier Mündern sprechen, mit vier Ohren hören):

Quadrat der Nachricht von Schulz von Thun

und

3. Wertequadrate nach Schulz von Thun

Wertequadrat Schulz von Thun

Am Beispiel „Vertrauen“ würde das Wertequadrat folgendermaßen ergeben:
oben links: Vertrauen
positver Gegenwert, oben rechts: Vorsicht
unten links, negative Übertreibung: Naives Vertrauen
unten rechts, die negative Übertreibung von Vorsicht &  das Gegenteil von Vertrauen: Misstrauen

Sinnvoll wird nach Schulz von Thun ein „Mischpult“ zwischen den Werten Vertrauen und Vorsicht erachtet.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass jeder Kommunikationsstil gewisse (positive) Werte mit sich bringt – auch der aggressiv-entwertende Stil (z.B. Durchsetzungsfähigkeit). Man sollte versuchen sich der positiven Werte aller acht Kommunikationsstile zu bedienen. Plus die eigenen, ganz persönlichen Werte, die jeder Mensch aufgrund seiner Sozialisation hat, in seinen Kommunikationsstil einfließen lassen.

Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci & Ryan

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Derzeit beschäftige ich mich im wissenschaftlichen Kontext stark mit der Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci & Ryan.
Edward L. Deci und Richard M. Ryan haben diese Theorie 1985 als eine allgemeine organismische und dialektische Theorie der Motivation postuliert. Im pädagogischen Kontext geht es dabei um die Frage: Wann lernen Schülerinnen und Schüler möglichst intrinsisch motiviert? Mit intrinsisch motiviert ist hier gemeint, dass die Motivation aus der Person selbst heraus entsteht und nicht durch externe Einflüsse (z.B. ausstehende Belohnung des Erziehers) oder Kontrolle gelenkt wird.
Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation legt zu Grunde, dass Handlungen vom Ausmaß der ermöglichten Selbstbestimmung bzw. vom Grad der Kontrolle beeinflusst werden. Handelt ein Kind selbstbestimmt, indem es beispielsweise von selbst seine Hausaufgaben macht und man ausschließen kann, dass etwas/ jemand anderes (mögliche Strafe oder Belohnung) ihn dazu bewegt hat, erfolgte die Handlung intrinsisch motiviert.

Im „handbook of self-determination research“ beschreibt Reeve zwei Lehrerstile: Einmal den Autonomie-fördernden Unterrichtsstil und den kontrollierenden Unterrichtsstil. Wie der Lehrer auftritt, hat einen unmittelbaren Einfluss darauf, wie frei und selbstbestimmt sich Schülerinnen und Schüler wahrnehmen. Dies widerrum beeinflusst den Handlungsspielraum und Art des Lernens jedes Schülers bzw. jeder Schülerin.

Der Forscher Johnmarshall Reeve belegt in seiner Arbeit „Self determination Theory Applied to Educational Settings“ (erschienen im Band „handbook of self-determination research“), dass SchülerInnen motivierter sind und sich mehr bestätigt fühlen, wenn LehrerInnen Autonomie-fördernd unterrichten, z.B. mehr Zeit zum Zuhören verwenden; die Entwicklung der SchülerInnen loben; SchülerInnen Zeit für eigenständige Arbeit geben und über das eigene Interesse der SchülerInnen motivieren (intrinische Motivation). Reeve schreibt im „handbook of self-determination research:

„The storys that emerges from these findings is an interesting one to tell. How a teacher teaches and motivates has a substantial and direct impact on how free and self-determining each student perceived himself or herself to be. Behaviors like listening and affording time for independent work nurtured autonomy, while behaviors like holding the instructional materials and teacher-dominated problem solving frustated autonomy. How instruction affected perceived competence was through a more indirect route. Mostly, students felt competent when they performed well. In addition, students felt increasingly competent when teachers provided opportunities for independent work, opportunities to talk, timely hints, and perspective-taking statements.“ (Reeve, 2002, S.188)

Im Gegensatz dazu führt der kontrollierende Unterrichtsstil wie: SchülerInnen Antworten und Lösungen vorgebe; SchülerInnen evaluieren bzw. kritisiern; unter Druck motivieren, zu einer frustierten Unabhängigkeit bei Schülerinnen. Reeve konstatiert: „students felt increasingly incompentent when teachers hogged instructional materials, gave answers, and solved problems for the student.“ (Reeve, 2002, S. 188)

Für die Pädagogik erscheint es daher wichtig, herauszufinden ob LehrerInnen lernen können mehr Autonomie-fördernd zu unterrichten.
Dazu im nächsten Beitrag mehr!

Reeve, J.M. (2004). Self-Determination Theory Applied to Educational Settings. In L. Deci, L. & M. Ryan (Ed.), Handbook of Self-Determination Research (pp. 183 -203). Rochester: University of Rochester Press

Geschrieben von Anne Grabs

März 15, 2009 um 13:32

Das Konzept des Orientierungsstils nach Sorrentino & Roney (EN), Dalbert (DE)

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Im Rahmen der Lehrerstudie die ich derzeit als Studienassistenz erarbeite, beschäftige ich mich mit dem Orientierungsstil nach Sorrentino & Roney (englischsprachiger Raum) und den Untersuchungen von Dalbert (deutschsprachiger Raum). Das ist eine ganz spannende Sache und ich wage die Hypothese, dass es da einen Zusammenhang zwischen Digital Natives und dem Orientierungsstil der „Ungewissheitsorientierung“ gibt.

Der Orientierungsstil lässt sich nach Richard M. Sorrentino und Christopher J. R. Roney in Gewissheitsorientierung und Ungewissheitsorientierung einteilen. Nach deren Auffassung ist es eine Theory des Ausgleichens bzw. des Selbstregulierens, die behauptet, dass Menschen sehr unterschiedlich beim Umgang mit Ungewissheit/ Verunsicherung sein können. Der Orientierungsstil beeinflusst uns bei der Auswahl von Situationen. Ist man eher unsicher (gewissheitsorientiert) meidet man neue Situationen. Ist man risikobereit (ungewissheitsorientiert) ist man offen für neue Informationen. Dies wirkt sich darauf aus wie ich letztlich neue Informationenen in der Situation aufnehme, verarbeite und wiedergebe. Sorrentino & Roney beschreiben die Ungewissheitsorientierung als „eine Informationsvariable, welche sich aus der Ungewissheit, den Ausgang einer Handlung betreffend, ergibt“ (1986, zitiert nach Martinek, 2007).  Je nach Orientierungsstil wird mit neuen Informationen unterschiedlich umgegangen:

  • bei Ungewissheitsorientierung: neue Informationen sind anregend, ich kann eine neue Erkenntnis gewinnen
  • bei Gewissheitsorientieung: ich befürchte den Verlust der eigenen Gewissheit

In Ihrem Buch „Die Ungewissheit im Lehrberuf“ stellt Daniela Martinek die Frage: „Was brauchen ungewissheits- und gewissheitsorientierte Lernende?“ (Marinek, 2007, S. 45) und bezieht sich auf die „Characteristics of Educational Settings for Uncertainty-Oriented and for Certainty-Oriented Persons“ nach Kempas, 1994.

Ungewissheitsorientierte Lernende

–> Entsprechendes Lehrangebot

- Wissbegier - hohes Informationsangebot
- Bedürfnis, Klarheit aktiv herzustellen - inhaltliche Auseinandersetzungen (Diskussion & Reflexionen…)
- Wunsch nach Selbstreflexion,
Reflexion in Bezug auf persönliche
Relevanz
- zahlreiche Formen des Feedbacks
- Experimentierfreude,
Risikobereitschaft
- Möglickeiten zu experimentieren und Erfahrungen aus 1. Hand
- Wunsch nach Kooperation - kooperative Lernformen
- Motivation & Entscheidungslust - autonome Handlungsmöglichkeiten (Methodenvielfalt, offene Lernformen, Möglichkeiten der Eigenverantwortlichkeit & Entscheidungsmöglichkeiten)

Gewissheitsorientierte Lernende

–> Entsprechendes Lehrangebot

- Bedürfnis, Ungewissheit zu vermeiden - Orientierung an strukturierter Information & Transparenz
- Aufrechterhaltung von Klarheit - strukturierte Aufgaben & Begrenzung der Informationsfülle
- Selbstkonzept aufrechterhalten - dosierte Kritik
- Wunsch nach routinemäßigem
Handeln
- Einführen von Routinen basierendauf klaren Regeln und Prinzipien
- Tendenz zu selbstorientiertem
Lernen
- individuelle Lernformen & kompetitive konkurrenzbetonte) Situationen
- Motivation & Entscheidungsunlust - strukturierter Handlungsspielraum (schrittweises Vorgehen, Übungsmöglichkeiten, Begrenzung der Entscheidungssituationen)

Nun kommt hinzu, dass der Lehrer selbst ungewissheits- oder gewissheitsorientiert agieren kann. Für einen ungewissheits-orientierten Schüler, der sich nach Exploration und offenen Strukturen sehnt, kann sich der Unterricht bei einem gewissheitsorientieren Lehrer entsprechend negativ auswirken. Wobei widerrum gewissheitsoriente Schüler in den Strukturen und genauen Vorgaben dieses Lehrers besser zurechtkommen. Dennoch sind nach dieser Theorie beide „Lerntypen“ zu gleichen Teilen vertreten. Die Frage ist, wie Lehrer damit umgehen können.
Desweiteren wurde in einer Längsschnittstudie von König und Dalbert ein positiver Zusammenhang bei Ungewissheitstoleranz (man ist eher ungewissheitsorientiert, risikobereit) und Befinden bei Lehrerinnen und Lehrern festgestellt werden (2004, zitiert nach Martinek, 2007). „Je höher die Ungewissheitstoleranz ausgeprägt war, desto geringer waren die Arbeitsunzufriedenheit, der Leistungsmangel und die erlebte Depersonalisierung der Lehrer/innen“ (Martinek, 2007, S. 48).

Zu meiner Hypothese zu Beginn, möchte ich noch ein Zitat von Sorrentino zur Erklärung des Ungewissheitorientierungsstil hinzuziehen:
„Self-assesment, social (and physical) comparison, causal searches and attribution, possible selves, self-concept discrepancy reduction, self-confrontation, social justice, and the equity are all common characteristics in this person“ (Sorrentino & Roney, 1999, S. 4).
Was heißt das für meine Hypothese? Unterstellt man den Digital Natives das sie eher ungewissheitsorientiert sind, so dienen die vielfältigen Informationen, die sie täglich über das Netz aufnehmen dazu das Unbekannte, aber auch sich selbst zu verstehen. Neue Informationen bieten die Möglichkeit den Erkenntnisdrang nachzugehen. Ungewissheitsorientierte sind außerdem neuen Ideen und Überlegungen gegenüber offen und tendieren zu toleranten Einstellungen.
Könnte ein interessantes Thema für meine Bachelorarbeit sein…

Psychologie des Vertrauens

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Was ist Vertrauen?

Vertrauen hat unterschiedliche Bedeutungen und drückt ganz allgemein die Qualität einer persönlichen Beziehung aus. Man kann Vertrauen bzw. Mißtrauen (aus Angst vor möglichen, fiktiven, negativen Konsequenzen) in eine Person haben oder auch in eine Sache haben. Beispielsweise kann ich meinem Freund vertrauen oder auch dem Kapitalismus misstrauen.
Für dieses Thesenblatt soll jedoch nur das Vertrauen in eine Person oder eine Personengruppe relevant sein.Vertrauen beinhaltet nach Petermann (1996, S.11) „immer einen Aspekt der Ungewißheit, ein Risiko und die Möglichkeit der Enttäuschung„.

Vertrauen ist …(Definitionen):

Hoffnung auf das Gute im Menschen

Schottlaender (1957, zitiert nach Petermann, 1996) betont „Vertrauen resultiert aus bisheriger Erfahrung und der Hoffnung auf das Gute im Menschen“. Er meint damit eine positive Einstellung einer Person gegenüber und den Glauben, dass diese Beziehung positiv für die vertrauende Person ausgeht, im Sinne von Geben und Nehmen (sog. Norm der Reziprozität).

Hoffnung auf Wiedergutmachung

Ebenso sieht es auch Jackson (1980, zitiert nach Petermann, 1996): „Vertrauen ist der Glaube, dass der andere für einen irgendwann das tut, was man für ihn getan hat.“ Nach Petermann (1996) wird damit das Wiedergutmachungsmotiv bzw. die Hoffnung auf Wiedergutmachung angesprochen.

Reduktion sozialer Komplexität

Welchen Vorteil Vertrauen für unser tägliches Handeln und Leben hat, beschreibt Luhmann (1973) in seinem Werk „Vertrauen. Ein Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität“:
Der vertrauensvoll handelnde Mensch:

  • widmet sich der Situation vertrauensvoll
  • macht sich deshalb nicht so viele Gedanken
  • verhält sich so „als ob es in der Zukunft nur bestimmte Möglichkeiten gäbe“ (Luhmann, 1973, S.18)

Selbstvertrauen (→ Vertrauen in andere Personen)

Luhmann geht in seinem Werk weiter darauf ein, dass das Selbstvertrauen in die eigene Person auch entscheidend das Vertrauen in andere Personen beeinflusst „…wenn Ihnen eine Art Selbstsicherheit innewohnt, die sie befähigt, etwaigen Vertrauensenttäuschungen mit Fassung entgegenzusehen…“ (Luhmann, 1973, S.77)

Risiko (Risikofaktor Vertrauen)

Der Risikofaktor von vertrauensvollem Handeln beschreiben Johnson & Matross (1977, zitiert nach Petermann, 1996) mit Ihrer Definition „Vertrauen heißt über Themen sprechen die potenziell Bewertung und Zurückweisung hervorrufen“.

Urvertrauen

Erikson (1963, zitiert nach Petermann 1996) betont, dass ohne Vertrauen keine stabile Persönlichkeit (ICH – Identität) möglich ist. Das „URVERTRAUEN“ ist das Gefühl sich auf den anderen verlassen zu dürfen (Mutter-Kind-Beziehung) dessen Fundament bereits in der Kindheit geschaffen wird. Vertrauen wird demnach von positiven Erfahrungen getragen.

Die Gemeinsamkeiten der Definitionen fasst Schlenker et al. (1973, zitiert nach Petermann, 1996) folgendermaßen zusammen:

a) Aspekt der Ungewissheit

b) Verhandensein eines Risikos

c) mangelnde Beeinflussung des Schicksals (Kontrollverzicht)

d) Zeitperspektive (= auf die Zukunft ausgerichtet)

Abschließend ist noch zu sagen, dass Vertrauen nur dann vorhanden ist, wenn man auf etwas Positives hofft. Mit dem in der Alltagssprache geprägten Satz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ offenbaren sich letztlich misstrauische Menschen.

Entwicklung von Vertrauen

Tabelle 1:

Die 5 Stufen der Entwicklung von Vertrauen nach Selman et al. (1977) und Selman (1980, zitiert nach Petermann, 1996).

Stufe (0): drei bis fünf Jahre Die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit erfolgt aufgrund von wahrgenommenen physischen Fähigkeiten.Interviewbeispiel: Ein Vierjähriger traut seinem besten Freund: „Wenn ich dem mein Spielzeug gebe, dann macht der das nicht kaputt … Der ist nicht stark genug dazu.“
Stufe (1): fünf bis elf Jahre Die wahrgenommenen Absichten des Partners werden zur Grundlage der Vertrauensbildung herangezogen, wobei es schließ-lich darum geht, was der andere bereit ist, für einen selbst zu tun.
Interviewbeispiel: Ein Fünfjähriger gibt an: „Man traut einem Freund, wenn er tut, was ich ihm sage.“
Stufe (2): sieben bis vierzehn Jahre Auf dieser Stufe wird der Aspekt der Gegenseitigkeit zum Merkmal von Vertrauen in einer Beziehung. Es wird ein fairer Austausch angestrebt.Interviewbeispiel: Ein Neunjähriger berichtet: „Vertrauen bedeutet, wenn Du was für ihn tust, dann wird er was für Dich tun.“
Zusammenfassung Vertrauen im Kindesalter Kleinkinder im Vorschulalter gründen ihr Vertrauensurteil fast ausschließlich auf beobachtbares Verhalten (von der Höhe des Versprechens beeinflusst)
Kinder im Grundschulalter (Volksschulalter) orientieren sich an der Konsistenz zwischen dem Versprechen und Verhalten ihres Partners
Stufe (3): zwölf Jahre bis zum Erwachsenenalter Diese Stufe ist gekennzeichnet vom Glauben an die Beständigkeit einer Freundschaft, in der die Partner gemeinsam durch „dick und dünn“ gehen.
Interviewbeispiel: Ein 13jähriger beschreibt: „Wenn die anderen sich was von der Seele reden können, wenn sie mit Dir reden; die Dinge passieren in Deinem Leben und im Leben des anderen.“
Stufe (4): Jugend- oder Erwachsenenalter Hier bedeutet Vertrauen in einer Beziehung die Fähigkeit, aufgrund des Glaubens an die Stabilität der Beziehung für Veränderung und Wachstum offen zu sein.
Interviewbeispiel: Ein Student antwortet: „Vertrauen bedeutet, dass man wachsen muss, um seinen Freund wachsen zu lassen. Je mehr man festhält, desto weniger hat man. Du musst Zutrauen zu Dir selbst besitzten, dann wirst Du auch Vertrauen in eine Beziehung haben.“

Vertrauen – Misstrauen

Tabelle 2:

Gegenüberstellung Vertrauensvolle Menschen – misstrauische Menschen

vertrauensvolle Menschen

misstrauische Menschen

nicht im Sinne von naiv und blind, sondern anderes Menschenbild

Vertrauen entsteht durch lang andauernden „Bewährungsprozess“

es wird ein hoher positiver „Vertrauens-Kredit“ anderen gegenüber gezollt (wird er ausgenutzt geht Vertrauen zurück)

Kooperationsangebote von wohlwollenden, vertrauenswürdigen werden zurückgewiesen

wenig Konflikte, akzeptiert, gut angepasst seine Mitmenschen werden kritisch im Auge behalten
sie lügen, betrügen, stehlen weniger Vertrauensbrüche bewertet er als Bestätigung dessen, was er bereits vermutet hat
geben eher zweite Chance

Fragestellung: Ist Vertrauen lernbar?

Nach behavioristischem Paradigma (Watson, 2000) würde das bedeuten man könne Vertrauen beliebig „brechen“, denn neues Vertrauen könne man dann gleichzeitig wieder erlernen (Reiz-Reaktions-Schema). In der Literatur diskutiert man Vertrauen (vgl. Petermann 1996; Schweer 1996) als:

  • Persönlichkeitsvariable
  • Situationsvariable
  • Beziehungsvariable

Das Thema Vertrauen bzw. das Erwerben von Vertrauen ist wie bereits Tabelle 1 demonstriert hat ein sehr komplexer Prozess.

Nach Rotters (1981, zitiert nach Schweer, 1996) lässt sich Vertrauen als Persönlichkeitsvariable wie folgt beschreiben:

  • Persönlichkeitsvariable:
    Vertrauen ist ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal, relativ da relativ stabile Annahmen bestehen, wie wir mit einander umgehen.
    Vertrauen kann jedoch durch neue Erfahrungen verändert werden.

    generaliertes interpersonales Vertrauen
    Generalisiert heißt hier, dass Erfahrungen aus ähnlichen Situationen zur Generalisierung von Erwartungen führen und damit widerum unser Verhalten in dieser Situation beeinflussen.
    Interpersonal heißt zwischenmenschlich.

  • Situationsvariable:
    Unterschiede zwischen Situationen → Vertrauen versteht sich hier als Funktion situativer Bedingungen.
    Vertrauen kann in jeder Situation relativ unabhängig vom Charakter unterschiedlich ausgerichtet sein.

    Vertrauen in konkreten Interaktionssituationen wird als kooperatives Verhalten  beschrieben. Vertrauen ist demnach eher von der speziellen Situation selbst beeinflusst als vom Charakter/ den (Vor-) Erfahrungen der Person. Die Möglichkeit zur Kommunikation untereinander beeinflusst Vertrauen, da damit auch die Möglichkeit zur Selbstoffenbarung bzw. die Chance für verständnisvollen Umgang mit der „Offenbarung“ gegeben ist.

    Vertrauen als Grad individueller kooperativer Orientierung in einer Interaktionssituation (eher vertrauensvoll oder eher misstrauisch)

  • Beziehungsvariable:
    betrifft
    verschiedene Interaktionspartner (z.B. Partner-Partnerin, Mutter-Kind, Therapeut-Patient)
    Vertrauen entwickelt sich langfristig, über die Zeit hinweg und ist ein langwieriger Interaktionsprozess.

    Grad der Zuversicht den wir beim Nachdenken über eine Beziehung empfinden“ (Rempel & Holmes, 1986, zitiert nach Schweer, 1996)
    - in Bezug auf partnerschaftliche Beziehungen (heterosexuelle Paare)
    - Basis des Vertrauens: Vorhersagbarkeit, Verlässlichkeit, Glaube an den anderen

    → Vertrauen durch individuelle Kosten-Nutzen-Bilanzierungen
    - in Bezug auf nicht-partnerschaftliche Beziehungen
    - Fragestellung: „Was bringt es mir, wenn ich mich offenbare?
    - Der Gewinn/ Benefit ist umso größer, inwieweit die angestrebten Ziele/ Bedürfnisse der Interaktionspartner individuell befriedigt werden
    - Beispiel: im therapeutischen Setting neigt man eher zur Offenbarung da das Ziel ist ein Problem zu lösen und die Offenbarung notwendig macht

Literatur

Luhmann, N. (1973). Vertrauen. Ein Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität (2. Aufl.). Stuttgart: Enke

Petermann, F. (1996). Psychologie des Vertrauens (3. Aufl.). Göttingen: Hogrefe

Schweer, M. (1996). Vertrauen in der pädagogischen Beziehung. Göttingen: Huber

Watson, J.B. (2000). Behaviorismus. Frankfurt a.M.: Klotz

Leben wir im gestern, heute oder morgen?

mit 5 Kommentaren

Eine Frage die wir nicht einfach beantworten können, weil wir in unterschiedlichen Zeitperspektiven leben. Philipp G. Zimbardo hat darüber in seinem Artikel in der aktuellenPsychologie Heute berichtet. Zimbardo hat 1971 das Stanford-Prison-Experiment durchgeführt, bei dem in einem Gefängnis-Setting, Wächter und Gefangene eingeteilt werden, um das Gewaltverhalten von Menschen zu untersuchen. Bekannt ist uns dieses Experiment durch den 2001 mit dem gleichnamigen Titel erschienen  Film Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel. Vorlage für diesen Film bildete der Roman „Black Box“ von Mario Giordano. Im Buch und Film kommt es zu einer Gewaltanwendung (bis hin zur Tötung) die dem eigentlichen Experiment nicht entsprechen. Dennoch finde ich das Experiment von Zimbardo ethisch bedenklich, auch wenn die Erkenntnisse die man aus dem Stanford-Prison-Experiment ziehen kann sehr aufschlussreich sein können. Erkenntnis um jeden Preis? Stellt sich für mich die Frage, wer bei diesem Experiment lieber in der Wächter und wer lieber in der Gefangenenrolle gewesen wäre? Die Antwort liegt auf der Hand.
So vie zu Zimbardo. Er hat außerdem den Luzifer-Effekt entdeckt, sein neuestes Buch ist „The Time Paradox“.

Zimbardo unterscheidet in seinem Artikel zunächst drei verschiedene Lebens- und Arbeitsstile die sich aufgrund der individuellen Zeitperspektive ergeben.

1) Der antizipatorische Zukunftsstil
die Person ist stark zukunftsorientiert, zielstrebig, beruflich erfolgreich, das individuelle Fortkommen hat einen hohen Wert, Hilfsbereitschaft gerät in den Hintergrund, sind weniger altruistisch.

2) Der stimulusorientierte Gegenwartsstil
hedonistisch, Genuss und Spaß stehen im Vordergrund, das Jetzt wird gelebt, vernachlässigen aber auch die eigene Gesundheit, sind sozialer und hilfsbereiter als Zukunftsorientierte

3) Der rekonstruierende Vergangenheitsstil

schwelgen entweder in nur positiven Erinnerungen oder hängen negativen Erlebnissen nach, neigen daher auch zu depressiven Stimmungen

Je nach Lebenslage können wir uns in einem dieser Stile befinden und wechseln. Weiteres dazu gibt es morgen, denn ich muss jetzt feiern gehen :)

Geschrieben von Anne Grabs

Dezember 20, 2008 um 20:29

Zahl des Tages und self fullfilling prophecy

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In der aktuellen Ausgabe des Brandeins Magazins steht, dass 90 Prozent der Geldscheine in Deutschland Spuren von Kokain aufweisen. Titel der Ausgabe ist „Glück, Rechnen Sie damit“. Es wird also danach gefragt, ob man Glück messen kann und wie es eingesetzt wird. Die Medien tun sich dabei relativ leicht Glück als Parameter in Ihre Werbesprüche einzubauen. Eben habe ich an der Uni einen Aushang gesehen „Meditation macht glücklich“, genauso geht aber auch „Wellness macht glücklich“, „Shoppen macht glücklich“ usw. Dennoch bezeichnen wir uns selbst oft als unglücklich oder empfinden das Glück von anderen begehrenswerter bzw. sehen uns im Vergleich unglücklicher. Fakt ist, dass Glück subjektiv ist. Das kleine Glückshormon, was wir alle in uns tragen heißt Serotonin. Serotonin wird mehrmals am Tag ausgeschüttet. Man kann es sich wie einen Film vorstellen, der sich über den Kopf ausdehnt (also unter der Kopfhaut) und wieder zurückzieht. Nimmt man nun Kokain wird verhindert, dass sich dieser Film wieder zurückzieht (keine Rückresorption) und die Ausschüttung von körpereigenen Drogen (Neurotransmitter wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin) wird stimuliert. Zur Belohnung gibt’ s erstmal Euphorie und tralala, aber anschließend kommen Depressionen.
Interessant dazu sind auch die in der Brandeins aufgezeigten regionalen Unterschiede. Die durchschnittlich festgestellte Kokainmenge an Banknoten in Mikrogramm beträgt

  • in München: 0,4
  • in Berlin: 7,8
  • in Hannover: 18,2.

Zum Thema Glück wird vor allem eine Theorie hervorgehoben, die der self fullfilling prophecy – selbsterfüllende Prophezeihung. Wenn man selbst davon ausgeht, das einem Gutes passiert, dann wird es auch eintreten, genauso ist es wenn man das Gegenteilige denkt, also von etwas Negativem ausgeht. Wenn ich mir selbst also einrede, dass ich vom Pech verfolgt bin und sowieso alles schlecht ist, wird es eintreten, weil ich im Grunde Scheuklappen für etwas Gutes, Glückliches habe. Glücksauslöser (die bewirken das Botenstoffe wie Endorphine, Oxytocin, Serotonin und Dopomin ausgeschüttet werden) sind nach dem Stand der Neurowissenschaft bei Essen, Sex und nach Anstrengung wie Sport zu beobachten, was wir ja nicht 24h am Tag tun können. Deshalb ist Glück nur ein Zustand, ein Moment, genauso wie das Gegenteil Unglück, was jedoch nicht mit Elend gleichzusetzen ist. Unglück ist etwas persönliches, Elend ist greifbar, ein lösbares Problem. Glück ist heute öffentlich und das allgegenwärtig angestrebte Ziel der Menschen, wie nicht zuletzt auch in „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ von Francois Lelord beschrieben. Was man bei der Suche nicht so alles übersieht und falsch machen kann, ist dabei aus kindlich naiver Perspektive eines angesehenen Psychaters geschrieben.
Ich bin letztlich der Meinung, dass die Suche nach dem Glück der Weg sein kann, nicht aber das Ziel. Denn was tun wenn nach all der Anstrengung das lang ersehnte Ziel sich als Unglück entpuppt? Glück kommt außerdem selten allein wie auch das neue Buch von Eckhard von Hirschhausen titelt.

Geschrieben von Anne Grabs

Dezember 9, 2008 um 17:52

Veröffentlicht in psychologische theorien

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